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Betrüger rufen gern bei „Ingrid“ und „Ursula“ an

Telefonbetrug und kein Ende: Im Stadtgebiet Marburg und in mehreren Stadteilen kam es allein am Montagvormittag, 3. September, zwischen 10 und 12 Uhr zu zehn betrügerischen Anrufen. Darin wurden laut Polizeisprecher Jürgen Schlick älteren Menschen – darunter etliche mit Vornamen Ursula und Ingrid – vorgespielt, es sei ein Polizeibeamter am Telefon. Während des Telefonats wurden Fragen zu privaten und finanziellen Umständen gestellt. Backland.News hat bereits Anfang der Woche darüber berichtet. Die Zahl der bei der Polizei registrierten Anrufe hat sich bis heute auf 23 erhöht. In diesem Zusammenhang verhinderte eine „hellwache“ Bank-Angestellte einen enormen finanziellen Schaden und machte den Betrügern mit ihrer perfiden Masche einen dicken Strich durch die Rechnung.

Mit „Peanuts“ geben sich die Telefonbetrüger nicht ab. Sie wollen ans Ersparte der Senioren. (Foto: rawpixel)

Zudem tauchten im Landkreis erstmals Anrufe durch falsche Bankangestellte auf, um Daten der Angerufenen zu erfragen. Betroffene werden eindringlich ersucht, nicht auf die Fragen und Anweisungen einzugehen und sofort die Polizei in Marburg zu informieren!

Aufmerksame Bankangestellte

Bei den bisher bekannten Fällen kam es glücklicherweise zu keinem Schadenseintritt. Dazu beigetragen hat insbesondere eine aufmerksame Angestellte der Sparkasse Marburg, bei der am Montagnachmittag eine Seniorin erschien und um Auszahlung von 20.000 Euro bat. Von dem Anruf eines angeblichen Polizeibeamten erzählte die Frau allerdings nichts. Die von der Kundin vorgetragenen Gründe für die Abhebung, eine Schenkung an die Enkelin, machten die Angestellte misstrauisch und sie verweigerte auch aufgrund des gezeigten, völlig untypischen Verhaltens zunächst eine Auszahlung, bevor der Sachverhalt nicht von einer nahen Angehörigen bestätigt wurde. Die vorausschauende Weigerung der Bank nahm die Rentnerin nun zum Anlass, bei der Kriminalpolizei in Marburg anzurufen, um den zuständigen Beamten zu sprechen, der das Abheben des Geldes gefordert hatte. Nun erlebte die ältere Dame eine böse Überraschung. Schnell stellte sich heraus, dass es diesen Beamten überhaupt nicht gibt. Durch die sofort eingeleiteten Ermittlungen der echten Kriminalbeamten kam nun der wahre Ablauf ans Tageslicht.

Altbekannte Lügengeschichten

Wie sich herausstellte, hatte der falsche Beamte bereits am Vormittag bei der Seniorin angerufen und die altbekannte Geschichte von einem festgenommenen Einbrecher aufgetischt. Ein Zettel mit den Personalien und Anschrift des Opfers sei sichergestellt und weiterer Täter flüchtig. Die Polizei mache sich Sorgen um das Eigentum der Frau. Um das Opfer weiter psychisch unter Druck zu setzen, berichtete der falsche Polizist, eine Bankangestellte sei als Komplizin der Einbrecher tätig und das Geld auf der Bank somit nicht mehr sicher. Durch das professionelle und rhetorisch geschickte Vorgehen des Anrufers gab das ausgesuchte Opfer nun erste, vertrauliche Informationen zum Vermögen preis und Absprachen zur Übergabe des Vermögens an „die Polizei“ folgten.

Frau wollte
20.000 Euro holen

Die Marburgerin fuhr anschließend mit einem Taxi zur Bank, um das Geld nach der Abhebung vor der Wohnanschrift an einen angeblichen Zivilbeamten der Kripo zu übergeben. Hierzu kam es aufgrund der polizeilichen Ermittlungen nicht mehr. Der glückliche Ausgang des Vorfalls zeigt wieder einmal, dass der vertrauensvolle Informationsaustausch zwischen Polizei und den Geldinstituten zu aktuellen Kriminalitätsphänomen Früchte trägt und insbesondere ältere, arglose Menschen vor finanziellem Schaden bewahrt.

Warnung: Falsche Bankangestellte

Ebenfalls am Montag registrierte die Polizei zudem vereinzelt Anrufe von Betrügern, die sich als Angestellte der Sparkasse ausgaben. Die Versuche, bei den älteren Frauen sensible Kontodaten zu erfragen, scheiterten allerdings.
Geldinstitute bitten Kunden am Telefon niemals um die Angabe sensibler Daten wie zum Beispiel PIN oder Kennwörter. Wenn Kunden ein Anruf merkwürdig vorkommt, sollte aufgelegt und der Kontakt zum Kreditinstitut aufgenommen werden. Kunden sollten sich keinesfalls von Anrufern unter Zeitdruck setzen lassen. Kontoauszüge sollten immer sicher verwahrt und Kontobewegungen regelmäßig kontrolliert werden.

Nie Pin oder
Kennwort nennen!

Hinweise der Polizei: Seien Sie wachsam, misstrauisch und besprechen sich mit einer Vertrauensperson, bevor Sie überhaupt an eine Abhebung von Bargeld denken! Behörden und seriöse Unternehmen agieren nicht in dieser Form und fragen sensible Daten ab. Sollte im Display eine Telefonnummer angezeigt werden, die angeblich auf die Polizei hinweist: Nicht die Wahlwiederholung oder Rückruftaste drücken. Die Täter agieren in der Regel mit dem sogenannten „Call ID Spoofing“. Dabei wird im Display des Angerufenen eine Nummer angezeigt, die vortäuscht, die Polizei habe angerufen. Dadurch wollen die mutmaßlichen Täter ihre wahre Identität verschleiern!

Technische Tricks

Die Täter sind in der Lage, jede beliebige Telefonnummer im Display „aufleuchten“ zu lassen. Wählen Sie die Notrufnummer 110 oder die Festnetznummer der zuständigen Polizei, die Sie im Telefonbuch oder über das Internet ermitteln können.