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Herzhausen,  Region

Vom Klostuhl bis zur Waschmaschine

Krankenhausbetten, Rollatoren, Tische, Gehhilfen oder auch Industrie-Waschmaschinen und Toilettenstühle… all das kann Helmut Reichel für seinen Hilfstransport in die Ukraine gut gebrauchen und nimmt es dankend vom DRK-Krankenhaus in Biedenkopf an.

Vom Krankenhausbett bis zum Toilettenstuhl wird alles benötigt und im Hinterland eng gepackt. (Fotos: DRK)

„Man kann sich nicht vorstellen, wie groß die Armut in der Ukraine ist und wie dankbar die Menschen über jegliche Spende und Unterstützung sind. Defekte Möbel oder Waschmaschinen werden im Handumdrehen wieder flott gemacht“, sagt Helmut Reichel, der jetzt den zweiten Transport in den zweitgrößten Staat Europas organisiert hat.

Viele leben in Armut

Seit es im November 2013 auf der Krim-Halbinsel zu Auseinandersetzungen zwischen moskautreuen Anhängern und proeuropäischen Kräften kam, herrschen in der Ukraine bürgerkriegsähnliche Zustände. 90 Prozent der Menschen leben in Armut, es gibt keine staatliche Krankenversicherung und das Durchschnittseinkommen liegt bei rund 200 Euro.

Volker Burk, Andreas Jost, Maik Sänger und Helmut Reichel (v.l.) liegt das Projekt am Herzen.

„Wir unterstützen das Projekt von Herrn Reichel gerne, da wir wissen, dass die Spenden wirklich dort ankommen, wo sie benötigt werden“, sagt A. Cornelia Bönnighausen, Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbands Biedenkopf.
Helmut Reichel, der 1990 eine Fabrikation für Putze und Farben gründete, sammelte bereits in den 90er Jahren Erfahrungen mit Hilfslieferungen im ehemaligen Jugoslawien, ehe er 2010 mit seinem ersten Hilfstransport ins Zentralkrankenhaus nach Brest in Weißrussland, auf Anregung von Gerhard Rink aus Herzhausen, startete.

Lange Fahrten

Mit ihm gemeinsam hat er in den Folgejahren einmal im Jahr eine Hilfsladung nach Osteuropa gebracht. Nach Brest sind es über 1.265 Kilometer und allein mit dem Auto über 13 Stunden reine Fahrtzeit. Die Transporte in die Ukraine dauern doppelt so lange, schließlich wird ganz Polen durchquert. „In den ersten Jahren fuhren Gerhard Rink und ich den Transporter noch selbst. Ich habe mir eine Woche Urlaub genommen und dann sind wir dorthin gefahren“, so Helmut Reichel.

Immer schwieriger

In den letzten Jahren gestaltete sich der Transport immer schwerer, da die Auflagen des Zolls undurchsichtiger und komplexer wurden. Mittlerweile werden die Hilfstransporte von der FeG Auslandshilfe Wissenbach unterstützt, die sich um die Verzollung kümmert und auch gerne einmal den Transporter auffüllt, wenn noch was fehlt. Als ein gehbehindertes Kind unbedingt einen Rollstuhl benötigte, trieb der Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) gleich drei Kinderrollstühle auf. Gerade LKW-Transporte stellen durch Kosten für Fahrzeugmiete, Kraftstoff, Gebühren, Maut und Personalkosten einen besonderen Kraftakt dar. Die Übernahme der Kosten für die Transporte wurde bis zum Jahre 2017 größtenteils durch Gerhard Rink geregelt.

Lebenswerk weiterführen

Die ersten Hilfstransporte nach Weißrussland wurden bereits in den 90er Jahren durchgeführt – in Zusammenarbeit mit den Evangelischen Kirchengemeinden Holzhausen und Herzhausen. Gerhard Rink, der ungern im Mittelpunkt stand, arbeitete im Hintergrund mit enorm viel Eigeninitiative und dem Antrieb, die Not in Krisengebieten zu lindern.
Er selbst hat insgesamt elfmal an Transporten nach Weißrussland mitgewirkt. Helmut Reichel will mit seinem Sohn das Lebenswerk von Gerhard Rink weiterführen, das hat er seinem langjährigen Freund vor drei Jahren am Sterbebett versprochen.