Backland.News
Breidenbach

Deborah Kehr ist neue Pfarrerin im Breidenbacher Grund

Zum Jahresbeginn hat Pfarrerin Deborah Kehr ihren Dienst im evangelischen Nachbarschaftsraum Breidenbacher Grund angetreten, wo sie für den Seelsorgebezirk Oberdieten/Achenbach zuständig ist. Am Sonntag, 22. Januar, wird die 33-jährige Theologin, die sich mit ihrer Familie derzeit im Pfarrhaus Oberdieten einrichtet, um 14 Uhr von Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer in der evangelischen Kirche Breidenbach ordiniert und offiziell in ihr Amt eingeführt.

Die kommenden Monate werden spannend für die Berufsanfängerin, die im Nachbarschaftsraum „Breidenbacher Grund“ mit ihrer halben Stelle neben den Seelsorgebezirken Oberdieten und Achenbach auch die Kitas und das Familienzentrum „maia“ religionspädagogisch begleitet – so sieht es die neue Pfarrdienstordung vor, die die Kirchenvorstände aber noch beraten und beschließen müssen. Ihr Kollege Henning Briesemeister übernimmt demnach Ihr Kollege Henning Briesemeister übernimmt den Seelsorgebezirk Niederdieten und Kleingladenbach. Für die Gottesdienste geht die neue Pfarrerin wie die Kollegen auf Tour durch den Nachbarschaftsraum, mitunter sonntagvormittags zweimal hintereinander. Das wird besonders spannend, wenn ihr Mann Marcel, dessen Vikariat in der Kirchengemeinde Biedenkopf im Februar beginnt, ebenfalls im Dienst ist – denn da ist ja auch noch der zweijährige Sohn Elmar, der dann auch nicht einfach mitgenommen werden kann. Deborah und Marcel Kehr hoffen, dass sie fürs Babysitten ab und an die Eltern im Westerwald einspannen können und haben auch schon Hilfe aus ihren Gemeinden angeboten bekommen – aber so wirklich geklärt ist diese Herausforderung noch nicht.

Leidenschaft für Pommes und gutes Essen

Ja, die Familie. Deborah Kehr ist eine Liebhaberin von Pommes frites und schwärmt ganz besonders von denen des leider kürzlich verstorbenen Großvaters: „Er war Landwirt, und die Pommes aus den selbstangebauten Kartoffeln sind einfach die besten“, sagt sie. Essen findet die Pfarrerin wichtig, denn es gehört zum Feiern einfach dazu: „Das bedeutet Geselligkeit und Gemeinschaft und es ist schön, Ereignisse in der Gemeinde damit zu verbinden.“ Die Theologin erzählt von ihrem Gemeindeprojekt im Rahmen ihrer Ausbildung in Gladenbach, einem „Taufcafé“ für Eltern und Pateneltern im Nachgang zur Taufe: „Auch da wurde erstmal zusammen gefrühstückt, zum Warmwerden, Kennenlernen und Gemeinschaft teilen.“

Kochen und Backen zuhause mag sie zwar, aber sie will die Zeit dafür haben – und gerade die fehlt eben zwischen Umzugskisten, Wäschebergen, Berufsanfang und Familie. Außerdem ist sie neugierig auf ihre neue Heimat und erkundet mit Elmar im Kinderwagen gerne den Ort und die nähere Umgebung, wenn sich eine Lücke im Terminkalender auftut.

Vom Westerwald über Mainz nach Breidenbach

Deborah Kehr stammt aus dem Westerwald. Obwohl ihre Eltern bei der evangelischen Kirche beschäftigt sind und sie mit Jungschar, Kindergottesdienst und Posaunenchor aufwächst, ist der Weg ins Pfarramt keineswegs vorgezeichnet: Nach ihrem Abitur in Westerburg absolviert sie die dreijährige Ausbildung zur Buchhändlerin in Mainz. Als dann klar ist, dass sie nicht übernommen werden wird, entschließt sich Deborah Kehr fürs Studium – zumal sie mit ihrer Ausbildung nicht ohne weiteres in einer anderen Buchhandlung hätte beginnen können.

In Heidelberg, Bonn und Marburg studiert sie von 2012 bis 2019 evangelische Theologie. Für ihr Vikariat, also die Ausbildung zur Pfarrerin, kommt sie „ganz unverhofft“ in die Evangelische Kirchengemeinde Gladenbach. „Um ehrlich zu sein, wäre ich nach dem Examen lieber im städtischen Umfeld geblieben, aber im Endeffekt bin ich froh, dass es eine ländliche Gemeinde wurde“, erklärt sie. Gladenbach wird sie mit offenen Armen empfangen und dank ihrer überzeugenden Glaubensvermittlung auch auf den digitalen Kanälen schnell über die Gemeinde hinaus bekannt: Ihre Andachts-Videos auf dem YouTube-Channel des Dekanats zählen mit vierstelligen Zugriffszahlen zu den am meisten aufgerufenen.

Das Digitale liegt Deborah Kehr ebenso wie unkonventionelles Denken abseits eingefahrener Gleise: „Kirche muss dahin gehen, wo die Leute sind und darf nicht darauf warten, dass sie kommen“, findet sie und berichtet von Beispielen, die den Menschen Begegnungsmöglichkeiten bieten: Mit einem Eiswagen auf dem Markt oder einem Kaffee-Wagen in der Fußgängerzone unterwegs und zum Gespräch mit den Leuten bereit sein oder die „PopUp-Church“ mit als Pfarrpersonen erkennbaren Hauptamtlichen an Orten auftauchen lassen, wo Kirche sonst nicht in Erscheinung tritt.

Die neue Pfarrerin und ihre Familie richtet sich gerade im Pfarrhaus in Oberdieten ein. (Fotos: privat / Klaus Kordesch)

Besonders beeindruckt hat sie auch die EKD-Tagung „Kirche mit Kindern“ in Lübeck, wo sie in einem Workshop einen Kindergottesdienst für Kinder mit Bewegungsdrang und überschüssiger Energie mitentwickelt hat. „Da kamen biblische Kampfszenen mit Tanz und Schaumstoffwaffen vor ebenso wie Fingerfarben-Malen zum Stressabbau“, erzählt sie und überlegt, dass „eigentlich jeder Gottesdienst so sein müsste, dass Kinder ihn mitfeiern können.“ Gottesdienst oder Kirche darf niemanden ausschließen, das ist ihre Überzeugung. Und die drückt sie auch in ihrer Sprache aus, wenn sie das Gendersternchen verwendet.

Die Ordination und Einführung durch Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer beginnt um 14 Uhr in der evangelischen Kirche Breidenbach (Altweg 3, 35236 Breidenbach). Neben anderen wirken auch Präses Britta Duchardt-Linneborn und Dekan Andreas Friedrich daran mit. Die Kirchenvorstände der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinden Breidenbach, Breidenstein und Oberdieten laden im Anschluss an den Gottesdienst zu einem Empfang ins Gemeindehaus ein, bei dem Gelegenheit zur persönlichen Begrüßung besteht.

Kommentar verfassen