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Mornshausen

Häufung von Krebserkrankungen? Was ist los in Mornshausen?

Im Dautphetaler Ortsteil Mornshausen glauben die Bürger seit einiger Zeit, dass deutlich mehr Krebserkrankungen auftreten als anderswo. Und den Grund dafür meinen sie auch gefunden zu haben: eine alte Deponie östlich des Dorfes, die Schadstoffe ans Grund- und somit ans Trinkwasser abgibt. „Wir haben hier belastetes Trinkwasser, und das erzeugt Krebs“, meinten dazu im Vorfeld nicht wenige Mornshäuser.
Aufgrund dieser Befürchtungen hat das Gesundheitsamt des Landkreises Untersuchungen in die Wege geleitet, und diese sind vorerst abgeschlossen.
Das Ergebnis: Insgesamt zeigt sich sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen keine Erhöhung der Krebsfälle im Vergleich zum Erwartungswert.

Das Gesundheitsamt leitete eine Verdachtsabklärung ein. (Symbolfoto)

Bereits Anfang März 2018 wurde dem Gesundheitsamt durch die Gemeinde Dautphetal die vermutete Häufung von Krebsfällen bei Kindern und Erwachsenen im Ortsteil Mornshausen gemeldet. Nicht nur Eltern waren in Sorge: Im Zeitraum von zehn Jahren waren allein drei Kinder in dem aktuell nur rund 750 Einwohner zählenden Örtchen an Krebs erkrankt. Die Verantwortlichen leiteten daraufhin eine Verdachtsabklärung ein, gemäß der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Häufen sich Fälle?

„Um das Vorliegen einer Fallhäufung einzuschätzen, wurde im ersten Schritt die beobachtete Anzahl an Erkrankungen der Fallzahl gegenübergestellt, die statistisch zu erwarten wäre“, erklärte gestern Dr. Cäcilia Zöller, (Ärztin im Fachdienst Gesundheitsaufsicht und Infektionsschutz des Gesundheitsamtes). „Zunächst wurde eine Fallliste der beobachteten Fälle erstellt. Die benötigten Informationen wurden mit dem jeweils zuständigen Krebsregister abgesprochen.
Für Kinder ist dies das bundesweit zuständige Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz, für Erwachsene das landesweit zuständige Hessische Krebsregister am Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) in Dillenburg und Frankfurt“, ergänzte Amtsärztin Dr. Birgit Wollenberg.

Fragebögen im Umlauf

„Für die Erfassung der Informationen bei den Erwachsenenfällen verteilten Einwohnerinnen und Einwohnern aus Mornshausen einen mit dem Gesundheitsamt abgestimmten Fragebogen“ beschrieb Dr. Zöller weiter. Um eine bestmögliche Vollzähligkeit zu erreichen, wurde zudem eine Nacherfassung durchgeführt.

Daten abgleichen

Als Vergleichsdaten für die Auswertung der Krebsfälle bei Kindern dienen die Daten des Deutschen Kinderkrebsregisters. Das Kinderkrebsregister verfügt über Daten bis auf Gemeindeebene. Für die Auswertungen der Krebsfälle bei Erwachsenen wurden die Daten der durch das Robert-Koch-Institut in Berlin erstellten Schätzung der Erkrankungszahlen für ganz Deutschland als Vergleichsmaßstab herangezogen.

Deponie unauffällig

Zusätzlich wurden von Beginn an lokale Umweltfaktoren genauer betrachtet. Im September 2018 erfolgte dann ein Ortstermin zur Besichtigung der ehemaligen Deponie östlich von Mornshausen durch das Regierungspräsidium Gießen. Hierbei fanden sich aber keine Auffälligkeiten wie etwa Sickerwasseraustritte oder sonstige Emissionen. Eine Recherche zu weiteren Altflächen, zum Beispiel stillgelegten Betriebsstätten, erbrachte keine Hinweise auf den Umgang mit potenziell krebserzeugenden Stoffen.

Nicht erhöht

Die Fall-Auswertungen erfolgten durch das jeweilige Krebsregister. Insgesamt zeigte sich bei den beobachteten Fällen weder bei Kindern noch bei Erwachsenen eine Erhöhung im Vergleich zur erwarteten Erkrankungszahl. Die Ergebnisse wurden mit den jeweils zuständigen Krebsregistern und dem Regierungspräsidium Gießen, Abteilung Umwelt, diskutiert.

Der Verdacht einer vermuteten Häufung von Krebserkrankungen hat sich in Mornshausen nicht bestätigt. (Foto: Hermann Achenbach, Wikipedia)

„Zusammengefasst hat sich der Verdacht einer vermuteten Häufung von Krebserkrankungen in Mornshausen nicht bestätigt. Eine Veranlassung für weitere Untersuchungen ist derzeit nicht gegeben“, sagte Dr. Wollenberg. Auch eine Fortführung der Erfassung von beobachteten Krebs- Fällen durch die Bürgerinnen und Bürger sei nicht mehr notwendig, da diese mittlerweile automatisch an das Krebsregister gemeldet würden, erläuterte die Amtsärztin. Gleichwohl würden die Nachforschungen selbstverständlich wieder aufgenommen, wenn neue belastbare Erkenntnisse auftauchen.