
Betrunkene Polizistin am Steuer
Noch immer gehören die sogenannten „Disco-Unfälle“ zu den tragischsten Ereignissen im Straßenverkehr. Trinken, Autofahren und sich dabei auch noch ablenken lassen… Diesmal geschah das alles mit Segen der Polizei – im Rahmen des Projekts „Spaß haben – mobil bleiben“, organisiert von der Fachstelle für Suchtprävention des Kreises Siegen-Wittgenstein.

Hier setzt die Aktion an: Gleichaltrige gehen in Fahrschulen und berichten davon, welche Auswirkungen es hat, mit Alkohol im Blut hinterm Steuer zu sitzen, als Fahrer mit dem Smartphone zu hantieren oder sich vom Beifahrer ablenken zu lassen. Das ist wesentlich glaubwürdiger, als wenn der vielleicht 30 Jahre ältere Fahrlehrer das tut.
Mit Bier und Sekt
Kreis, Kreispolizei und Verkehrswacht setzten da noch eins drauf und luden zu einer ungewöhnlichen Aktion auf den Verkehrsübungsplatz des Olper Automobilclubs ein. Auf dem abgesperrten Übungsgelände standen neun Fahrlehrer mit ihren Autos breit. Zunächst haben die Teilnehmer einen Parcours abgefahren – völlig nüchtern und problemlos. Danach gab es Bier und Sekt. Der Alkohol durfte etwas wirken. Dann wurden die Promille gemessen, und es ging zum zweiten Mal durch den Parcours – mit Fahrlehrer an der Seite.

Nach einem Essen und einer angeregten Unterhaltung konnte, wer wollte, noch ein Bier trinken und den Parcours ein drittes Mal durchfahren. „Die meisten jungen Fahrer dachten noch, sie hätten alles im Griff“, sagt Michael Zell, Polizeibeamter und Fahrsicherheitstrainer. Die Alkoholwerte lagen auch alle noch weit unter 0,8 Promille. Doch die Beobachter mussten feststellen, dass die jungen Leute mutiger und enthemmter wurden: „Allerdings nahm ihre Fahrfertigkeit nicht zu, sondern ab. Hindernisse wurden überfahren, Ausweichmanöver viel zu spät eingeleitet oder Gefahren vollkommen übersehen.“
Kritisches Alter
Stefan Winkler, Leiter der Direktion Verkehr und verantwortlich für die Präventionsarbeit, sagt: „Für uns stellt sich immer die Frage, wie wir an die jeweiligen Personen-Gruppen herankommen. In den Klassen 5 und 6 machen wir den Fahrrad-Führerschein, in der Oberstufe haben wir das Projekt Crash-Kurs. Aber danach, im kritischen Alter von 18 bis 25, haben wir keinen Zugang mehr. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir innerhalb des Fahrschulprojekts unser Fachwissen weitergeben können.“
Weniger tragische Unfälle
Auch Volker Schneider von der Suchtprävention des Kreises ist vom Erfolg überzeugt: „Prävention selbst kann man nur sehr schwer messen. Ich bin aber sicher, dass gerade die Zusammenarbeit von Fahrschulen, Polizei, Verkehrswacht und Kreis in diesem und weiteren Projekten mit dazu beigetragen hat, dass sich in Siegen-Wittgenstein in den letzten Jahren kaum tragische Verkehrsunfälle in dieser Altersgruppe ereignet haben.“

