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Kuriose Exponate: Hochzeitszeitungen von 1896

Na, das ist doch wirklich mal eine humorvolle Rückblende ins 19. Jahrhundert. Beim Exponat des Monats Oktober des Hinterlandmuseums im Schloss Biedenkopf handelt es sich um zwei Hochzeitszeitungen aus eben dieser Zeit. Gestiftet wurden sie von Fritz und Peter Weigel. Die Zeitungen sind datiert auf den 12. Januar und den 14. Oktober in 1896. Das Layout ist angelehnt an die von Justus Heinzerling erstmals 1837 unter dem Titel „Anzeigenblatt“ veröffentlichte und 1877 schließlich in „Hinterländer Anzeiger“ umbenannte „Biedenkopfer Zeitung“.

Im Grenzgang aktiv

Heinrich Ruppersberger, seinerzeit ein Metzgermeister in Biedenkopf und mit neunzehn Jahren Burschenreiter beim Grenzgang 1886, ehelichte Marie Lony im Januar 1896. Er lernte seine Braut, wie die Hochzeitszeitung mitteilt, „zu Braun’s“ kennen, in dem Restaurant, das zu jenem Zeitpunkt vermutlich von August Wilhelm Braun in der Hospitalstraße 8 geführt wurde. Über Marie selbst ist kaum etwas bekannt, der Zeitung zufolge schwärmte sie für Dichter, insbesondere für Heine.

„Der schöne Schlosser“

Mit Heinrich befreundet war offensichtlich „de[r] dritte[…] Kumpane[…] des berüchtigten Kleeblattes“, Fritz Banss, der Lina Schmidt im Oktober 1896 heiratete. Denn dieser kündigte schon in der Ruppersberger‘schen Hochzeitszeitung in einer kurzen Notiz an, Heinrichs Beispiel „baldigst“ zu folgen. In einer Anzeige ebendort offenbarte er sich ferner als Schlossermeister, „im Volksmunde unter dem Namen ‚Der schöne Schlosser’ bekannt“. Im Gegensatz dazu sind die Mitteilungen über seine Frau Lina eher spärlich.

Beim Exponat des Monats Oktober des Hinterlandmuseums im kreiseigenen Schloss Biedenkopf handelt es sich um zwei Hochzeitszeitungen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. (Foto: Landkreis)

Die beiden Hochzeitszeitungen sind eine humoristische Hommage an das jeweilige Brautpaar und bestehen aus einem doppelten DIN A4-Blatt. Das Deckblatt ziert das Biedenkopfer Stadtwappen. Die Banss‘sche Zeitung zeigt zusätzlich ein Foto von Fritz und Lina.
Eingeleitet werden die Hochzeitszeitungen mittels eines Liedes, das über die einzelnen Persönlichkeiten, ihren Werdegang und ihre Verdienste sowie das Kennenlernen der Brautpaare informiert. So war Fritz etwa „schon als kleines Bübchen, sehr bekannt als kluges Kind…“

Unter dem Pantoffel

Auf den nächsten beiden Seiten, dem Mittelteil, geht die Zeitung sodann in „Nachrichten“ jedweder Natur über: „Verloren hat Herr Heinrich Ruppersberger seine Freiheit; der ehrliche Finder weigert sich mit Recht, sie herauszugeben.“ Ebenfalls werden das Ende der Junggesellenzeit, die künftigen Leiden des Bräutigams sowie Ratschläge für das Eheleben thematisiert: „Furchtbares Unglück: Heute ist […] ein junger Mann unter einen – Pantoffel gekommen.
Das Hinterlandmuseum hat übrigens bis zum 15. November dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.